Psychische Belastungen

„Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern ihre Urteile und Meinungen über sie.“ (Epiktet, antiker Philosoph)

In der heutigen Arbeitswelt ist vermutlich jede Tätigkeit von Zeit zu Zeit psychisch beanspruchend. Konzentriert zu arbeiten, zahlreiche Termine zu koordinieren, wahrzunehmen und einzuhalten oder Arbeitsanweisungen entgegenzunehmen und auszuführen fordert die menschliche Psyche. Dies ist jedoch auch unabdingbar für ein selbstbestimmtes Leben und Arbeiten. Spätestens jedoch wenn aus der Belastung eine erlebte Beanspruchung, chronisches Stresserleben oder sich gar deutliche Auswirkungen bis hin zu einer Erkrankung entwickeln, ist Vorsicht geboten. Psychische Erkrankungen sind mittlerweile die vierthäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit und haben allein im letzten Jahr um 16% gegenüber dem Jahr 2010 zugenommen. Seit dem Jahr 1997 haben sie sich sogar mehr als verdoppelt. 

Nicht jeder Mensch reagiert gleich auf Belastungssituationen. Ob und wann Herzrasen, Hitzewellen, enorme Ängste, Symptome eines Burnout-Syndroms bis hin zu depressiven Verstimmungen auftreten ist individuell verschieden. Die Ursachen sind sehr vielschichtig und multifaktoriell verwoben. In der Regel sind psychische Beanspruchungen, welche als ein Gesundheitsrisiko zu bewerten sind, ein guter Indikator für ein Missverhältnis von Verausgabung und erlebter Gratifikation. Wenn Lob und Anerkennung durch Chefs und Kollegen, eine angemessene Bezahlung und ein sicherer Arbeitsplatz die Belastungen von Zeitdruck, Verantwortung und vermehrtem Arbeitsvolumen nicht mehr auffangen können, so verdoppelt sich laut einer Untersuchung sogar das Risiko koronarer Herzerkrankungen. Umstände wie ein vertrauensvoller Umgang unter den Kollegen sowie Vorkehrungen der Unternehmen vor chronischem Stress, Überforderung und zum Schutz der Mitarbeitergesundheit sind jedoch in der Lage, die Bedingungen am Arbeitsplatz zu verbessern.

Maßnahmen sollten dabei immer ganzheitlich angelegt werden. Veränderungen für Einzelpersonen bringen das Entwickeln von Bewältigungsstrategien, die Stärkung der persönlichen Ressourcen und Resilienzförderung mit sich. Veränderungen bei Anderen und in der Interaktion mit Anderen können zum Beispiel durch konstruktive Kommunikation und Konfliktlösung (auch Mediation), Teamentwicklung und die Entwicklung einer Kultur der sozialen Unterstützung und Wertschätzung aber auch Intervisionstrainings erreicht werden. Eng verzahnt sollte damit auch eine Veränderung der Arbeitssituation insgesamt durch unser ganzheitlich angelegtes, partizipativ entwickeltes und so maßgeschneidertes Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) angestrebt werden.

Die wertvollste Fähigkeit des Menschen, um potenziell psychische Belastungen nicht zur Beanspruchung werden zu lassen, ist der Umgang mit sich selbst und den vermeintlich belastenden Situationen. Diesen muss man jedoch erlernen. Unser Ansatz ist es dabei, die Beteiligten bei diesem Prozess zu begleiten und zu unterstützen.